Einleitung
III
Aber der Blues hat noch eine andere Dimension,
eine wildere, mysteriösere und verlockendere Dimension,
die ihn mit Voodoo und Geisterrhythmen verbindet. Bo Diddley,
der zusammen mit Elmore James und Muddy Waters
Platten für Chess aufnahm, stieß auf etwas zutiefst
Unwiderstehliches: ein ungestümes Gebräu aus Voodoo-
und Blues-Rhythmen, den nach ihm benannten Bo Diddley-Beat.
Er war das, was einen afrikanischen, kubanischen oder haitianischen
Trommler verbindet, wenn er jene Rhythmen spielt, die die
Zuhörer in Trance versetzen. Die Stones wußten
nicht, was dieses gewisse Etwas war, zumindest nicht damals.
Aber sie wußten, daß Bo Diddley es besaß,
und sie lernten seine Rhythmen gründlich. Selbst Muddy
Waters' und Buddy Hollys Songs spielten die jungen Stones
mit einem dunklen Bo Diddley Unterton. Sie hatten die Power
dieser Rhythmen gespürt, und wenn sie sie auf ihren ersten
Auftritten freisetzten, hörten sie ihr Publikum stöhnen
und schreien. Sie merkten, was sie da besaßen, und spielten
auf Teufel komm raus.
Der Off-Beat der Stones war lange Zeit der schwungvollste
im Rock. Er wirkte zwar auf manche abschreckend, aber andere
- etwa die mehr als zwei Millionen zahlenden Besucher, die
allein 1981 zur Amerika-Tour der Stones kamen - tanzten vor
Begeisterung.
In Afrika und in den von Afrika herrührenden Kulturen
Amerikas werden die gleichen Rhythmen, die Christen als Voodoo,
als Teufelszeug, fürchten, von Priestern und Schamanen
benutzt, um Wunden zu heilen, Krankheiten zu kurieren, dem
kranken Geist Erleuchtung und Ausgeglichenheit zu bringen
und um ganzen Dörfern Frieden und Wohlstand zu bescheren.