Thomas Adam Art
Keith Richards, Brian Jones, Mick Jagger, Rolling Stones
   
   
Einleitung II

Einige Jahrzehnte später sollten die Rolling Stones zu ähnlichen Schlußfolgerungen kommen. Das Böse - so wie es die Gesellschaft definierte - sollte Brian Jones, Keith Richards und Mick Jagger als gehaltvoll, mysteriös und äußerst verlockend erscheinen. Und der Rock & Roll sollte das perfekte Medium sein, um ihm auf die Spur zu kommen. Denn, so singt Muddy Waters, "der Blues gebar ein Kind, und man nannte es Rock & Roll."

Auf der englischen Szene war das Rock & Roll-Fieber in den späten fünfziger Jahren ausgebrochen. Damals waren die Stones Jugendliche, und Mick, Keith und Brian wurden von dem Fieber ebenso sehr gepackt wie ihre späteren Mitstreiter Bill Wyman und Charlie Watts. In den frühen sechziger Jahren dann, so erinnerte sich Keith, war die Luft raus aus dem Rock & Roll. Die schärfste und zugleich eigenwilligste Musik fand man damals auf jenen schwer zu beschaffenden Schallplatten des amerikanischen Chess Labels: den Blues.
 
Mick und Keith lernten Brian in Englands erstem Blues-Club kennen, dem Londoner Ealing Club. Die drei Musiker zogen zusammen in ein schäbiges, kleines, billiges Apartment am Rande von Chelsea, spielten, redeten über Musik, hörten Platten und übten was das Zeug hielt. Sie erarbeiteten sich einen eigenen Blues-Stil und wurden so gut, daß sie die beiden vielbeschäftigten Profis Charlie und Bill überzeugen konnten mitzumachen. Brian nannte ihre neue Band nach dem Muddy Waters Song »Rollin' Stone«, einer Bearbeitung des traditionellen »Catfish Blues«: The Rolling Stones.
 
Wie die meisten anderen englischen Blues-Fanatiker waren die Stones damals Beatniks, Ausgeflippte, ehemalige Studenten, die beschlossen hatten, ihr Leben jenen heißgeliebten Platten mit dem blauen Label aus Chicago zu widmen. Diese Musik war echt: Männer, die sangen, bis sie heiser waren, und die den Gitarrensaiten solange ein Stöhnen entlockten, bis ihre Finger bluteten.
 
Blues ist mehr als ein Musikstil, er ist eine Sprache, mit der sich die gesamte Bandbreite der Gefühle ausdrücken läßt, von Trauer über blinden Haß bis hin zu purer, wahnsinniger Lust.
 
Das Geheule und Gekrächze, das Ziehen der Töne, die absichtlichen Rhythmus- und Tempowechsel - all diese Techniken dienen dazu, Gefühle zu wecken und auszudrücken. Je rauher das Gekrächze, je gezogener die Töne, desto tiefer das Gefühl; die Ursprünge dieser Musik liegen in Afrika, wo die gesprochene Sprache reich an Tönen ist, und je tiefer ein Satz angestimmt wird, desto intensiver das vermittelte Gefühl.
All das entdeckten die Stones, als sie diese Platten regelrecht zerpflückten.

   
   
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