Robert Johnson, der schwarze
Blues-Sänger aus dem Mississippi-Delta, der 1958 an vergiftetem
Whisky starb, war ein gottloses Genie, des Teufels rechte Hand. Wenigstens
dachten das die gottesfürchtigen Kirchgänger der ländlichen
Mississippi-Gemeinden. Selbst der junge Muddy Waters, der in
den dreißiger fahren im Delta aufwuchs, glaubte, was man über
Johnson erzählte, nachdem er dessen Geheul auf der Platte "Hellhound
On My Trail" gehört hatte.
Als Muddy ein Teenie war, sah er eines Nachmittags den legendären
Robert Johnson an einer Straßenecke Musik machen. Muddy traute
sich nicht näher an ihn heran, denn, so erklärte er Jahre
danach, man erzählte sich, der Teufel höchstpersönlich
habe Robert Johnson den Blues beigebracht. Die Leute sagten, er sei
ein gefährlicher Mann.
Sein schlechtes Image bekam der Blues, weil es Außenseiter waren,
die ihn spielten und hörten. Außenseiter selbst innerhalb
der schwarzen Gemeinden. Für sie waren Prediger Heuchler und
Kirchgänger Narren; sie fühlten sich jenen näher, die
die alten afrikanischen Religionen aufrechterhielten: Schamanen und
Medizinmänner. Und da sie von den Normalbürgern als gottlos
und böse abgestempelt waren, fingen sie an zu fragen:
Was ist eigentlich das Böse? Ist es lediglich das Gegenteil,
die Kehrseite des Guten? Und wenn die heuchlerischen Werte der Normalen
gut sind, ihr furchtsamer Glaube, ihre protestantische Arbeitsethik
und all das andere bourgeoise Zeug, das ihnen ihre Sklavenherren mit
auf den Weg gegeben hatten - wenn das alles ist, was das Gute ausmacht,
dann, so folgerten die Blues-Gläubigen, könnte es lohnend
sein, das Böse etwas näher kennenzulernen.