Zum Abschluss noch ein paar kritische Bemerkungen zur Kunsttherapie
und zur Rolle des Kunsttherapeuten. Sie stammen vornehmlich aus Bettina
Eggers Buch: Der gemalte Schrei:
Das Bilderschaffen wird heute an die sozial oder klinisch "Ver-rückten"
delegiert - an die Künstler und an die seelisch Kranken. Museum und
Klinik, Kunstkritik und Kunsttherapie binden Bilder an einen Ort und in
eine Theorie, die den Betrachter von ihren Einwirkungen schützen.
Künstler wie Patienten stehen diesen Erklärungen wehrlos und
unverstanden gegenüber.
René Magritte schreibt in einem Brief an Michel Foucault:
"Der Mechanismus, der diesem Werk (einem seiner Bilder) zugrunde
liegt, könnte als Objekt für akademische Erklärungen dienen,
derer ich unfähig bin. Die Erklärung wäre wertvoll, sogar
unwiderlegbar, aber das Geheimnis würde unvermindert bestehen bleiben."
Mit immer differenzierteren Erklärungen wird das Bild zur Unbeweglichkeit
reduziert. Bevor Kunsttherapie als Beruf in Erscheinung trat, haben Ergotherapeutinnen,
Kindergärtnerinnen, Lehrer, Freizeitbetreuer und Eltern mit den ihnen
Anvertrauten gemalt und gezeichnet. Sie haben dem Bild erlaubt, Raum einzunehmen,
haben es manchmal korrigiert, aber sie fühlten sich nie veranlasst,
diese Bilder zu verstehen oder sie zu interpretieren.
Heute erhebt das medizinische Modell Anspruch auf Gültigkeit und
schlägt vor, ein Bild zu malen, um Zugang zum "wirklichen Material",
Zugang zum Gespräch, Zugang zur "Tiefe", zur Beziehung,
zum Gruppenprozess usw. zu finden. Das Bild wird auseinandergenommen,
auf Elemente reduziert, mit Bedeutungen beladen, interpretiert und seziert.