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Macht der Bilder, Bildzauber
 

DIE MACHT DER BILDER


H.G. Gadamer (Tübingen, 1965) warnt:
"... dass nur am Anfang der Geschichte des Bildes, sozusagen seiner Prähistorie angehörig, der magische Bildzauber steht, der auf der IDENTITÄT und NICHTUNTERSCHEIDUNG von Bild und Abgebildetem beruht, bedeutet nicht, dass sich ein immer differenzierter werdendes Bewusstsein das sich von der magischen Realität zunehmend entfernt, je ganz von ihr lösen kann. Vielmehr bleibt die Nichtunterscheidung ein Wesenszug aller Bilderfahrung". Und weiter: "Diese Dinge sind heute so aktuell wie vor 1200 Jahren. Und die Ikonen sehen heute so aus wie damals".
 
Der Philosoph Wittgenstein schreibt in seinem "Tractatus": "Was jedes Bild, welcher Form immer, mit der Wirklichkeit gemein haben muss, um sie überhaupt - richtig oder falsch - abbilden zu können, ist die logische Form, das ist die Form der Wirklichkeit". Demnach ist die Form dem propositionalen Bild und der bildhaften Tatsache IMMANENT: Sie hat an beidem teil, wie die Form des Bettes (bei Platon) den Betten und Bildern von Betten immanent ist. Das Verbot, etwas beim Namen zu nennen,, das aus der Angst vor der Macht dessen, der den Namen kennt, entsprang, galt ebenso für die Abbildung der betreffenden Dinge. Das zeigt, das man sich die Beziehung zwischen dem Namen und seinem Träger ebenso mystisch vorgestellt haben muss wie die Beziehung zwischen Bildern und abgebildeten Dingen.
 
Diese Konzeption der Darstellung von etwas als einer Wiedervergegenwärtigung in einem anderen Medium wird in der mittelalterlichen Tradition aufgenommen, wenn gesagt wird, dass die Dinge entweder "in re" oder "in intellectu" oder IN BEIDEM existieren.


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