Wenn der Therapeut neben dem Malenden sitzt und darauf
wartet, dass dieser das Bild beendet, damit "man darüber
reden kann", hat das Bild keinen Raum, um sich entfalten zu können.
Bilder sind weder gesund noch krank, auch wenn jemand kommt und sie
so bezeichnet. Tatsächlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass
die Malenden oft weniger Angst vor ihren Bildern haben, als die Therapeuten,
denen ich sie gezeigt habe.
Die Arbeit am Bild ist eine Tätigkeit,
nicht ein Gespräch.
Seele ist Bild, sagt C.G. Jung. Wenn wir "bildern", Bilder erschaffen,
erschaffen wir Seele. Wenn wir Bilder machen, geben wir der Seele ein
Gefäss. Die Seele macht sich durch unsere Bilder erkenntlich, wir
lernen ihr wirken durch das Schaffen von Bildern kennen. Oft sind uns
solche Bilder nicht so willkommen, sie sind anders als wir wollten,
sie sind fremd. Dann rennen wir zum Priester, zum Arzt oder zum Therapeuten:
"Bitte, nimm meine schrecklichen Bilder weg, oder ändere sie
wenigstens, ich leide!" Rufen wir. James Hillman sagt: "Wir
leiden, hat man bis jetzt behauptet, weil wir krank oder sündig
sind, und die Heilung unseres Leidens verlangt entweder Wissenschaft
oder Glaube." (1975)