Das 20. Jh. begann in Italien, der Schweiz, in Frankreich,
Deutschland und Russland mit einer Reihe von neuartigen Werken, die
alle bezeugten, dass jegliches Streben nach Naturnachahmung radikal
verworfen wurde.
Das bedeutet aber nicht, dass die Wirkung der Malerei völlig ausserhalb
unserer Beziehung zur Natur oder zur menschlichen Praxis liegt. Kunstwerke
können gewisse Fakten beinhalten, und diese können überzeugend
oder irreführend scheinen. Kunst kann sogar bewusst Ideen ausdrücken,
und diese können wahr oder falsch sein. Aber die Wahrheit seiner
Ideen macht nicht das wahre Kunstwerk aus, so wenig deren mögliche
Falschheit - auch wenn sie anstössig ist - ihre Verkörperung
in einem Kunstwerk entwerten würde.
All dies ist im Falle von Poesie und Drama ziemlich offensichtlich.
Das normale Gemälde, egal aus welcher Zeit gehört zur selben
Klasse wie Poesie und Drama, weil es einen künstlichen Rahmen besitzt,
der seinem Stoff widerspricht, und doch so eng mit diesem Stoff verbunden
ist, dass die Verbindung von beiden eine Qualität annimmt, eine
Qualität, die in der Natur und in der menschlichen Praxis ohne
Beispiel ist.
In dieser künstlichen Verfremdung ihres Gegenstandes liegt die
Kraft von aller Malerei: Gegenstände, die aus der Erfahrung stammen,
in einer Form darzustellen, die alle natürliche Erfahrung übersteigt.
Und darin liegt auch die Kraft jeder darstellenden Kunst.