Als Gitarrist wurde Pete Townshend eigentlich nur
gewürdigt, weil er als erster die Wucht von feedback-kreischenden
Power-Akkorden ausgelotet hat, was daran liegt, daß er als Songschreiber
begabter ist. Doch das ist im Grunde keine Begründung, geschweige
denn ein Alibi, da Townshend zusammen mit Chuck Berry zu den
vielleicht wichtigsten und besten Songschreibern zu zählen und
ein absoluter Superlativ ja gar nicht zu übertreffen ist. Das
heißt, wäre Townshend nicht so ein höllisch guter
Songschreiber, würde er als Gitarrist viel mehr
gewürdigt.
Das Geniale des Gitarristen Townshend lag ganz sicher darin, sich
beim Gitarrenspielen seinen eigenen Songs zu unterwerfen. Er spielte
sich als Gitarrist nicht in den Vordergrund, sondern formte eine packende
Einheit aus den Stärken seiner Songs und den Stärken seines
Gitarrenspiels. Wie Townshend mit seinem Songmaterial die Qualitäten
der einzelnen Bandmitglieder zur optimalen Entfaltung brachte, so
betonte er mit seinem Gitarrenspiel immer die Stärken seiner
Songs.
Aus diesem auf äußerste Effektivität angelegten Konzept
resultierte bei den Who-LPs der Verzicht auf die Verzierungen
der Gitarre. Aber wenn man beim Hören der Who-Platten
das Interesse einmal ganz bewußt auf die Gitarre lenkte, dann
gab es eine Unmenge zu entdecken. Unvergleichliche rhythmische Brillanz,
die ihn zu einem echten Ausnahmegitarristen machte, gehörte ebenso
zu seinem immensen Können wie die meisterhafte Beherrschung von
machtvollen Power-Akkorden, als deren Pionier er gelten muß.
Darüber hinaus zählt er zusammen mit Jeff Beck, Jimmy
Page und Jimi Hendrix zu den Pionieren des Einsatzes von
Feedback, wobei Townshend das Feedback weniger in sein Leadgitarrenspiel
integrierte, als vielmehr seine Power-Akkorde damit »aufheizte«. Dies
zeigt schon, in welche Richtung Townshends Gitarrenspiel tendierte.