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JEFF BECK: DER ALLESKÖNNER

Jeff Beck Group: Rod Stewart und Ron Wood

Vielleicht liegt es an der Bedeutung, die Beck's Bolero durch die an dem Titel mitwirkenden Musiker erhielt - auf jeden Fall widersprechen sich Beck und Page noch heute, wenn es darum geht, wer diesen Titel geschrieben hat. (Auf der LP Truth wird er übrigens als Page-Komposition aufgeführt).
 
Die B-Seite von Tallyman enthielt mit Rock My Plimsoul wieder ein Unikum, nämlich das einzige Dokument der Jeff Beck Group mit Ainsley Dunbar, der diesem Titel mit einem hinkenden Rhythmus etwas ganz Besonderes verlieh. Die weiteren Mitglieder der Jeff Beck Group waren der von den Birds und (späteren) Creation kommende Gitarrist Ron Wood, der in der Jeff Beck Group jedoch zum Bassisten wurde, und der damals noch phänomenale Sänger Rod Stewart, der mit Shotgun Express und Steamhammer einige unerquickliche Bands hinter sich gelassen hatte. Der neue Schlagzeuger Mickey Waller kam im November 1967. Mit ihm und Nicky Hopkins nahm man die phantastisch gesungene Ballade I've Been Drinking To Long, wo Becks Gitarrensound Ähnlichkeiten mit einem geblasenen Kamm hat, und das epochemachende Album Truth auf.
 
Normalerweise sagt man bei schlechten Platten, daß man über sie nicht viel Worte verlieren möchte, doch in diesem Fall muß man aus umgekehrtem Grund so verfahren:

    Das Album ist so exorbitant, daß es einem die Sprache verschlagen kann!
Dieses Album, auf dem mit dem grandiosen Rock My Plimsoul und Beck's Bolero auch die zwei Singleseiten sowie eine atemberaubende Neuinterpretation von Shapes Of Things enthalten sind, muß man hören, um zu verstehen, was man mit Gänsehaut erzeugendem Gesang, minikompositorischem und perfektem Gitarrenspiel sowie zwingend dichten Arrangements nur unzulänglich beschreiben kann.
 
Zwar hieß es auf dem Cover »A Mickie Most Production«, doch allein Jeff Beck hatte für das Resultat verantwortlich gezeichnet. Ab und an kann man sogar lesen, daß Mickie Most während der Aufnahmen in Urlaub war, aber so weit kann man wahrscheinlich nicht gehen. In Amerika plazierte sich das Album auf dem 13. Rang, so daß man zwei äußerst erfolgreiche USA-Tourneen bestreiten konnte. Eines der sträflichsten Versäumnisse der Plattenindustrie ist ganz sicher, daß bis zum heutigen Tag keine einzige Live-Aufnahme, geschweige denn eine Live-LP, veröffentlicht wurde, was sich, weiß Gott, gelohnt hätte.
 
Als Gitarrist war Beck ebenso wie Rod Stewart als Sänger auf dem Höhepunkt seiner emotionalen Ausdrucksfähigkeit. Live war die Band ein brodelnder Vulkan, dessen Intensität selbst in der damals nun wirklich nicht armen Musikszene nicht alltäglich war und zum Teil aus den internen Spannungen zwischen den Bandmitgliedern resultierte. Rod Stewart sagte später dazu:
    »ln den zweieinhalb Jahren mit Beck habe ich ihm nicht einmal in die Augen geguckt ... Ich schaute auf sein Hemd oder irgend etwas anderes.«
Tatsächlich wirkte sich Becks plötzlicher Starruhm, der auch deshalb so üppig aasfiel, weil man ihn und seine Band nach dem Split von Cream als legitime Nachfolger von Cream feierte, auf die Person Jeff Beck mehr als negativ aus. Jeff Beck muß in dieser Zeit in seinen Bedürfnissen und Ansprüchen maßlos geworden sein, denn der »Rolling Stone« wird ihn nicht ohne Grund als »einen der Vorreiter der Anglophaliacs im anglophilen Amerika des Jahres 1968« bezeichnet haben. Zu Recht meint der Musikjournalist Wolfgang Bauduin, »daß sich Beck in dieser Zeit den unangenehmen Ruf eines Bandtyrannen zuzog«, was u.a. damit zusammenhing, daß er im Februar 1969 Mickey Waller und Ron Wood feuerte.

   
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