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"Rock-das ist für mich Energie."
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JEFF BECK: DER ALLESKÖNNER
Erste Supergroup
Am 19. Oktober 1966 flogen die Yardbirds
nach Amerika, um dort eine vierwöchige Dick-Clark-Caravan-of-Stars-Tournee
zu absolvieren. Doch schon nach zwei Tagen stieg Beck, nicht ohne
vorher seine bevorzugte Gitarre zerschlagen zu haben, wegen einer
Mandelentzündung und einer Liebesaffäre aus. Als die Trennung
perfekt war, flog er nach England zurück, um dort ohne Gruppenkompromisse
seine Solokarriere in Angriff zu nehmen. Die Yardbirds setzten derweil
ihre Tournee mit mörderischen zwei Auftritten pro Tag fort. Doch
Becks Euphorie muß sehr schnell verflogen sein, wie einem Interview
aus dem Jahre 1973 zu entnehmen ist:
»lch hatte so viel Freiheit, daß ich nicht wußte, was
ich damit tun sollte. Die anderen von den Yardbirds hatten immer Ideen,
und dort spielte ich wahrscheinlich auch am schöpferischsten
und innovativsten.«
Genau das ist auch der Grund, warum Jeff Becks Zeit mit den Yardbirds
hier so ausführlich beschrieben worden ist. In dieser Zeit hatte
Jeff Beck kleine revolutionäre Meilensteine fabriziert, die ebenso
wegweisend wie einflußreich waren. Ehe es soweit war, daß
er mit ausgezeichneten Musikern zwei weitere Meisterwerke schuf, nahm
sich Mickie Most seiner an, der zur gleichen Zeit auch neuer
Manager der verbliebenen Yardbirds wurde. Das Ergebnis von Mosts Bemühungen,
aus ihm den "Engelbert Humperdinck der Gitarre" (Most)
machen zu wollen, war verheerend. Beck sagte später über Most:
»lch glaube nicht, daß es ein völliges Debakel war,
aber fast war es soweit.«
Doch dieses »Fast« war eine schlichte Untertreibung. Obwohl Beck
schon im Februar 1967 seine erste Jeff Beck Group noch mit dem
Schlagzeuger Ainsley Dunbar aus der Taufe gehoben hatte, produzierte
er mit Sessionmusikern nacheinander die Singles Hi Ho Silver Lining
(erschien im April 1967, Chartnotierung: Platz 14), Tallyman
(erschier im Juli 1967, Chartnotierung: Platz 30) und Love ls
Blue (erschien im März 1968, Chartnotierung: Platz 23).
Wie die Chart-Ergebnisse zeigten, lag Mickie Most gar nicht so falsch
mit seiner Strategie. Doch mit welchen Mitteln hatte er das erreicht:
Auf Hi Ho Silver Lining fanden sich Streicherarrangements,
Jeff Becks blasse und ausdruckslose Stimme wurde eingesetzt, und last
but not least erklangen Bläser- und Streichersätze sowie sogar
ein Frauenchor auf dem unerträglichen, kitschigen Instrumental
Love ls Blue.
Verzeihen konnte man Beck das nur angesichts der B-Seiten. Die
B-Seite von dem als Popsong gar nicht so schlechten Hi Ho Silver Lining
präsentierte mit Beck's Bolero das einzige Zeugnis
einer Studioformation, die zur ersten Supergroup hätte werden
können, denn ihr gehörten neben Jeff Beck noch Jimmy
Page, Nicky Hopkins (Piano), Keith Moon (Drums) und
John Paul Jones (Bass) an.
Diese Studioformation hätte durchaus zur Supergroup werden können,
und das hatte mehrere Gründe. Jimmy Page wollte nach den
Erfahrungen mit den Yardbirds eine eigene Band; Keith Moon und
John Entwhistle wollten zusammen die Who verlassen und
ebenfalls eine Band gründen. Jeff Beck hatte auch noch keine
bestimmten Vorstellungen von der Zukunft, und Nicky Hopkins war
als Sessionpianist sowieso ohne große Verpflichtungen. So dachte
man (John Paul Jones hatte Entwhistle kurzzeitig ersetzt) über
eine gemeinsame Zukunft nach. Doch noch ehe Jimmy Page nach der Absage
von Steve Marriott in Robert Plant einen geeigneten Sänger
fand, hatten es sich Keith Moon und John Entwhistle schon wieder anders
überlegt...
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